Tischfußball und wie alles begann

Der Name Tischfußball ist etwas irreführend. Wer das Spiel nicht kennt, würde vermutlich an eine Fußballvariante denken, die man auf einem Tisch spielen kann. Wenn es sich um einen normalen Tisch handelt, der nicht die Ausmaße eines Fußballfeldes hat, dann könnte es sich ja um kleine Bällchen handeln, die man mit den Fingern durch ein Tor auf der gegenüberliegenden Seite des Tisches schnicken muss. Diese Vorstellung mag interessant sein, geht aber nicht in die richtige Richtung.

Was ist Tischfußball?

Der Ansatz ist ein anderer. Der Tisch ist in Wirklichkeit ein Kasten auf vier Beinen, einem Tisch nicht unähnlich, aber mit weiterem Innenleben. Die Tischoberfläche ist durchbrochen und etwas vertieft finden wir das Spielfeld. An drehbaren Stangen sind Spielerfiguren aufgereiht. An den kurzen Enden auf beiden Seiten sind die Tore, die jeweils von einem vorgelagerten Torwart an der Stange bewacht werden. An den Längsseiten haben die Stangen Griffe, über die die Mannschaften gesteuert werden können, jeweils vier auf jeder Seite. Alleine oder zu zweit kann ein Team damit die eigene Mannschaft, die aus elf Spielern besteht, steuern. Das Ziel ist wie beim Rasenfußball auch, Tore zu erzielen, und zwar mehr als die gegnerische Mannschaft.

Die geschichtliche Entwicklung

Wer das Tischfußballspiel tatsächlich erfunden hat, ist etwas unklar. Angeblich gab es eine Variante, die der Franzose Lucien Rosengart entwickelt hat. Der Tisch des erfindungsreichen Citroen-Mitarbeiters hatte allerdings die Stangen an den Kopfenden. Es gibt auch belegbare Patente für ähnliche Modelle. Der Engländer Harold S. Thornton meldete 1922 ein Gerät mit Drehstangen an, der grobe Aufbau entspricht den heutigen Tischen. 1937 sicherte sich dann der spanische Dichter Alejandro Finisterre ein Patent auf einen Kickertisch.

Einer der ersten Hersteller für Tischfußballgeräte ist die Schweizer Firma „Kicker“, angesiedelt in Bern. Die große Beliebtheit des Spielgeräts sorgte für die Verbreitung dieses Begriffs im deutschsprachigen Raum. „Kicker“ wird immer noch als Synonym für „Fußballer“ verwendet.

Entwicklung zum Sportgerät

In Deutschland etablierte sich das Spiel allerdings erst in den 60er Jahren. Die erste deutsche Meisterschaft fand 1967 in Braunlage auf Initiative der Bild-Zeitung statt. Kurz darauf wurde der Deutsche Tischfußballbund, DTFB, gegründet. Für eine stärkere Verbreitung des Tischfußballsports in Deutschland sorgte die Firma Löwen als Automatenvertrieb. In den 80er und 90er Jahren wurden überregionale Turnierserien veranstaltet, zu denen auch einige Spitzenspieler aus Nachbarländern anreisten. Der jährliche Höhepunkt war die Deutsche Meisterschaft in Bingen, dem Firmensitz von Löwen.

Der Weltverband ITSF, die International Table Soccer Federation, wurde 2002 gegründet. Der Verband ist bemüht, das Spiel weltweit zu standardisieren, um die Anerkennung als offizielle Sportart voranzutreiben. Die erste ITSF-Weltmeisterschaft wurde 2006 in Hamburg ausgetragen.

Ein Kommunikations- und Rehabilitationsmittel

Auch in der Pädagogik ist die positive Kommunikationswirkung dieses Spiels schon lange bekannt. Gerade in Jugendeinrichtungen, Schulen und Pfadfinderheimen gibt es viele Kickertische. Wenn der Platz vorhanden ist, auch in Kinderzimmern. Auch ältere „Kinder“ spielen gerne damit, daher findet man die Sportgeräte auch oft in Gaststätten und Kneipen. Unabhängig davon wird Tischfußball oft auch als Rehabilitationsmaßnahme eingesetzt, um die Hand-Augen-Koordination von Patienten zu verbessern.